Geschichte von Budapest

BUDAPEST GESCHICHTE

Die Entstehung der über eine der schönsten Lage der Welt verfügenden Stadt ist nicht ganz dem Zufall zu verdanken. Die Donau, welche in der Mitte fließt, bot insbesondere am Gellertberg eine ausgezeichnete Möglichkeit für die Überquerung und galt durch die umliegenden Berge als ein für die Verteidigung und Ansiedlung bestens geeignetes Gebiet. Damals, im 3. und 4. Jahrhundert vor Christi haben rund um den Gellertberg Stämme der keltischen Eravisker gelebt. Diese besaßen bereits damals eine hohe Kultur. Sie hatten das Eisen bearbeitet, ihr Tongeschirr verziert und auch Geld in Form von Münzen geprägt. Das Römische Reich hatte seine Stadt Aquincum auf dem Terrain des heutigen Óbuda erbaut und hier die Legionen stationiert. Von hier aus beschützte man den riesigen, an der gesamten Donau entlang verlaufenden Grenzwall namens Limes.

Da die Landnehmer - Magyaren das Gebiet, wo sie neu angekommen waren, auch für strategisch wichtig hielten, machten sie es zum Zentrum der neuen Heimat. Es ist interessant zu erwähnen, dass zu damaligen Zeiten die Siedlungen an beiden Ufern der Donau gleichermaβen Pest genannt wurden. Einige Forscher sind der Meinung, das Wort Pest sei slawischen Ursprungs, und würde etwa soviel wie Ofen bedeuten. In Wahrheit weist der Name Pest auf die Thermalquellen hin, die heute noch der Tiefe des Gellertbergs entspringen. Ein Beweis für die letztere Behauptung liefert uns ein schriftliches Dokument in Form einer königlichen Urkunde aus dem Jahre 1232. Der Name Buda wird allerdings auf den Zeitraum nach dem Ansturm der Tataren datiert, als es auf Anordnung von König Béla IV. landesweit mit dem Bau von Schützburgen begonnen wurde. Der König ging mit gutem Beispiel voran, und ließ die königliche Burg auf dem damaligen Pester ’Újhegy’ (Neuberg) errichten. Von da an wurde der Neuberg ’Burgberg’ genannt. Mit dem Namen des gleichen Königs ist auch das Verleihen der ersten königlichen Privilegien verbunden: die Goldene Bulle, eine königliche Urkunde, versehen mit einem goldenen Siegel, wurde zur Förderung der Landwirtschaft und des Handels den Bürgern von Pest verliehen. Erst im Mittelalter, unter der Herrschaft von König Sigismund, wurde Buda allmählich zum ständigen Königssitz ausgebaut. Die fortlaufenden Erweiterungsarbeiten am Bau des Palastes wurden schließlich von König Matthias im 15. Jh. beendet. Unter der Regierung des großen Renaissanceherrschers verschaffte sich Pest, die Stadt am gegenüber liegenden Donauufer, ebenfalls Reichtum, und wuchs zu einem Handelszentrum heran: sowohl Buda als auch Pest erlebten eine Glanzzeit, und wurden auf Veranlassung von König Matthias einander gleichgestellt.

Die Margareteninsel war zu damaligen Zeiten auch bereits bewohnt. Die Originalquellen bezeugen, dass auf der Insel um die Zeit nicht nur mehrere Klöster, sondern auch eine Burg der Kreuzritter standen. Nach der Niederlage von Mohatsch, wurde Buda von den Türken völlig ausgeplündert, und in Brand gesetzt. Pest, auf der anderen Seite der Donau, sowie die dritte damalige Stadt: Óbuda, mussten während der langen, 150 Jahre anhaltenden Türkenherrschaft gleich viel Not erleiden, und wurden zum Teil auch zu Grunde gerichtet. Die osmanische Besatzungszeit brachte aber nicht nur Schlechtes mit sich: zwar fielen die prunkvollen Paläste, Bürgerhäuser und Klöster dem Verfall zum Opfer, aber es wurden auch frühere Kirchen in wunderschöne Moscheen mit Kuppeln umgewandelt, und die Besetzer ließen prachtvolle Bäder über die hervorsprudelnden Thermalquellen erbauen. Diese Bäder, mit, zum Teil, Originalteilen aus der Türkenzeit, stehen heute noch als Zeugen der damaligen Epoche.

Buda wurde am 2. September 1686 durch vereinte christliche Truppen von den Türken befreit, und es bahnte sich der Weg der neuen Entwicklung. Durch den Erhalt eines, sich auf das ganze Land erstreckenden Rechst für die Abhaltung von Märkten, begann der Handel zu Buda aufzublühen. Auch die geistige Entwicklung nahm ihren Anfang: in Buda existierte bereits im Jahre 1724 eine Druckerei. Königin Maria-Theresia verlegte im Jahre 1777 die einzige wissenschaftliche Universität des Landes von Nagyszombat (in der heutigen Slowakei) nach Buda, so zogen viele Gelehrte und studierende Jünglinge aus dem ganzen Land hierher. Die Universität wurde später von Franz Josef II. nach Pest verlegt. Das Vorhandensein eines hierfür aufnahmefreudigen Publikums bahnte den Weg der Entwicklung der ungarischsprachigen Literatur – bis dahin wurde sie durch die deutschsprachige Literatur in den Hintergrund gestellt –, und in Pest wurden nacheinander mehrere Theater gebaut. Die neue Ungarische Akademie der Wissenschaften, und der Schriftstellerverband: Kisfaludy Gesellschaft, sowie das Nationaltheater, gewannen immer mehr an Wichtigkeit, und spielten im tendenziösen Verbürgerlichungsprozess der Stadt eine herausragende Rolle. Die ersten ungarischen Zeitschriften sind ebenfalls um die Zeit erschienen, unter ihnen die ’Pesti Hírlap’ (Pester Nachrichten) von Lajos Kossuth.

Die Zeit wurde auch reif, der natürlichen Trennung von Buda und Pest durch die Donau, endlich ein Ende zu setzen. So wurde mit dem Bau der ersten Brücke begonnen: die Kettenbrücke sollte künftig als ständige feste Verbindung zwischen Pest und Buda dienen. Der Brückenbau war der Ausgang für die Vereinigung der damaligen drei Städte: Pest, Buda und Óbuda. Dem Gesetzesartikel Nr. XXXVI. aus dem Jahre 1872 gemäß, wurden die obigen drei selbständigen Städte offiziell für vereint erklärt. Die amtliche Organisation der vereinten Hauptstadt wurde von den anderen Städten in Ungarn abweichend reguliert. Budapest, die neue Hauptstadt, hat die Schönheit ihres Stadtbildes dem damals zum Leben gerufenen Rat für Öffentlichkeitsarbeit der Hauptstadt zu verdanken. Es wurden um diese Zeit die schnurgerade Andrássy Allee, wie auch die Stadtringe erbaut: die Entwicklung zur Weltstadt nahm ihren Anfang. Zu diesem Entwicklungsprozess trug das Millennium mit zahlreichen Errungenschaften, sowie Festveranstaltungen wesentlich bei. Zur Tausendjahrfeier wurde in Budapest die allererste Untergrundbahn des Kontinents erbaut. Die Straßen wurden bepflastert, und öffentlich beleuchtet. Das Wasserwerk in Káposztásmegyer (bis heute noch in Betrieb) wurde auch um die Zeit in Betrieb gestellt, und auch die Kanalisation der Stadt wurde ausgebaut. Die alte Pferdebahn wurde durch die moderne Straßenbahn ersetzt.

Die Industrialisierung der Stadt begann nach dem Ausgleich von 1867. Die Landwirtschafts- Lebensmittel - und Mühlenindustrien wurden in Budapest angesiedelt. Auch die Maschinenindustrie begann zu expandieren. Die Bahnlinien und Landstraßen liefen alle in der Hauptstadt zusammen. Von den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs blieb die Stadt noch verschont. Nach einer kurzen, ’technischen’ Pause setzte sich die Entwicklung der Stadt unaufhaltsam fort: zu den damaligen zehn bestehenden Bezirken kamen vier neue hinzu. Der Zweite Weltkrieg brachte jedoch im Gegensatz zum Ersten schwere materielle Verluste - alle Brücken über die Donau wurden von den deutschen Militärtruppen beim Rückzug gesprengt – und forderte auch viele Menschenleben. Der Wiederaufbau der Stadt erfolgte in vier Jahren. Im Jahre 1950 wurden sieben Komitatsstädte und 16 Großkommunen der Hauptstadt angegliedert, und die Zahl der Stadtbezirke stieg auf 22. (Durch die neulich erfolgte Trennung zweier Bezirke wird die Hauptstadt heute in 23 Bezirke gegliedert.) In den Straßenkämpfen von 1956 wurden zahlreiche Gebäude zerstört, und das gesamte Verkehrswesen wurde schwer beschädigt. Die Schäden wurden relativ schnell beseitigt, und bereits in den Sechzigern wurde mit dem Bau von Fertigbau- Wohnsiedlungen begonnen. In den darauf folgenden Jahrzehnten erfolgten der Ausbau, und die Inbetriebsetzung der zweiten bzw. dritten Metrolinien. Seit der Wende wurde die Lágymányosi Brücke, das neue Nationaltheater, sowie der Palast der Künste erbaut. Unter den kurzfristigen Plänen stehen der Bau der vierten Metrolinie, sowie der fortlaufende Ausbau der Hauptstadt im Rahmen der gegebenen finanziellen Möglichkeiten.

Die Hauptstadt von Ungarn erhielt nach der Vereinigung der drei Städte Pest, Buda sowie Óbuda im Jahre 1873 den Namen Budapest. Die Stadt, die seit frühester Geschichte der Menschheit bewohnt war, wuchs im Laufe der Zeit zu einer Weltstadt heran. Die, auf der einen Seite inmitten einer großflächigen Ebene, und auf der anderen Seite auf einem hügeligen Gebiet liegende Stadt wird von der Donau getrennt. Selbst die natürlichen Verkehrswege nehmen ihren Verlauf in Richtung der Stadt, und treffen hier aufeinander. Budapest ist heute in 23 Bezirke aufgeteilt, und beherbergt annähernd ein Fünftel der Gesamtbevölkerung des Landes. Es leben heute um die 2 Millionen Menschen hier auf einem Gebiet von etwa 525 Quadratkilometern. Ein Drittel der Budapester wohnt auf der hügeligen Seite von Buda. Pest, am linken Ufer der Donau, wurde dagegen auf einer Ebene erbaut. Auf dem Fluss befinden sich drei Inseln: die Óbuda-Insel, die Margareteninsel und die Csepel-Insel. Zwei von 9 Brücken der Stadt dienen dem Zugverkehr. Budapest ist ein Eisenbahn- und Verkehrsknotenpunkt. Die Hauptstadt mit ihrer reichen Vergangenheit, und dem einmaligen Kulturerbe, hat ihren alten Zauber und Charme bis heute nicht verloren. Zudem werden ihre Traditionen fortlaufend bewahrt und gepflegt. Neben dem einst erworbenen Titel "Königin der Donau", ist sie auch die Stadt der Heilbäder: es sprudeln annähernd einhundert Thermalquellen aus der Tiefe hervor. Auf diese Quellen basierend werden 12 Thermalbäder betrieben.